Mutters Essen: Scharfe Nudeln

Dieses – für die damalige Zeit unglaublich exotische – Gericht, kam in den 60ern alle paar Wochen auf den Tisch, und zwar grundsätzlich an zwei Tagen hintereinander. Weil’s, wie der Reisauflauf, in der Pfanne aufgebraten noch mal so gut schmeckte. Während der Reisauflauf mein Lieblingsessen war, waren die „Scharfen Nudeln“, wie sie bei uns genannt worden, die Leibspeise meiner lieben Schwester Claudia. Das Rezept stand irgendwann in den 50er Jahren mal in der legendären Kasseler Post.

Wie alle Rezepte aus der damaligen Zeit ist es simpel. Ich hab’s mal aus dem Gedächtnis nachgebaut: Für 4 bis 6 Portionen braucht’s:

1 kleinen Kopf Wirsing, entstrunkt und ohne die dicken Blattrrippen in Streifen geschnitten
500 g Lammfleisch, gewürfelt (Ich hab Keule genommen)1
250 g Champignons, gescheibelt
150 g Walnüsse, gehackt
500g Bandnudeln
10 Zehen Knoblauch, gehackt
1 Zwiebel
Curry, Brühe, Butter, Salz, Pfeffer

Das Lammfleisch in etwas Butter kurz anbraten, alle anderen Zutaten dazugeben und anschwitzen, mit soviel Brühe ablöschen, dass alles knapp bedeckt ist. Zwanzig bis dreißig Minuten schmoren lassen, bis das Fleisch gar und die Flüssigkeit verkocht ist2. Die Bandnudeln separat kochen und mit der Chose vermischen.

Tja, sonderlich scharf kommt das einem heutzutage nicht mehr so, aber damals genügte ja schon ein Teelöffelchen Curry, um einen deutschen Gaumen in den Grenzbereich zu bringen3. Ich werde beim nächsten Versuch auf alle Fälle noch ein paar Chilis in Spiel bringen. Die Nüsse und die große Knoblauchmenge machen den Charme des Gerichts aus. Ansonsten ist, wie immer bei Curry, die Weinfrage nicht ganz einfach zu lösen. Ich hab einen Chardonnay von Schaller dazu getrunken und mir auf die Schulter geklopft: Gut ausgesucht, Chris!

Dessert ohne Namen

Dieses Dessert hat keinen Namen, weil ich es dahin improvisiert hab und wirklich nicht weiß, wie ich es nennen soll. Ich hatte ein Glas Lemon Curd eines französischen Herstellers gekauft, das für meinen Geschmack und den angestrebten Verwendungszweck4 deutlich zu süß war. Beim Googlen entdeckte ich die Möglichkeit, dem Lemon Curd durch Verpampen mit Mascarpone die süße Spitze zu nehmen, das brachte mich auf diese zitrische Tiramisu-Variante.

Es braucht:
500g Mascarpone
3 bis 4 Esslöffel Lemon Curd
Orangensaft
Cointreau

Den Mascarpone mit Lemon Curd und Orangensaft cremig rühren. Löffelbiskuits mit Orangensaft und/oder Cointreau beträufeln. In eine Dessertschale eine Schicht Löffelbiskuits platzieren, die Hälfte der Mascarponecreme draufgeben, die Prozedur wiederholen, das Dessert im Kühlschrank durchziehen lassen.

Das ist buchstäblich in Minutenschnelle gemacht, Zitrone und Orange sorgen für eine Ahnung delikater Säure und die penetrante Süße des Lemon Curds war verschwunden. Wurde nach der ersten Kostprobe ins Repertoire aufgenommen.

Bleibt das Namensproblem. „Zitronen-Tiramisu“ klingt irgendwie blöd, „Zitronen-Orangen-Tiramisu“ steigert die Blödheit noch durch Umstandskrämerei. Hat irgendwer einen rettenden Einfall? Sonst bleibt’s namenlos.

Mutters Essen: Knödel mit Geschichte

Das Leibgericht meines aus Ostpreußen stammenden Vaters wurde in unserer Familie nur „Knödel“ genannt. Es handelte sich um mit gekochtem Rindfleisch angereicherte, flache Kartoffelknödel aus rohen und gekochten Kartoffeln, „halb und halb“, wie man sagt. Merkwürdigerweise steht dieses Gericht in keinem der mir bekannten ostpreußischen Kochbücher, und auch in der Ostpreußen-Ecke des Internet konnte ich es nicht auftreiben. Dort finden sich nur „Königsberger Keilchen“ bzw. „Knödel aus Goldap“, beides mit „Halb und Halb“-Knödeln, jedoch mit gebratenem Schweinefleisch, das separat dazu gereicht wird. Im Raum Salzburg findet sich jedoch ein Gericht namens „Restl-Knödel“, das „unseren“ Knödeln ähnelt, jedoch auf Semmelknödel-Basis zubereitet wird. Im 18. Jahrhundert kam eine größere Zahl Einwanderer aus Salzburg nach Ostpreußen, die haben das Rezept wohl mitgebracht und Kurbjuhns haben’s dann abgewandelt.

Es braucht
1 Packung Kloßteig „halb und halb“ aus dem Kühlregal5
Rindfleisch (Beinscheibe z. B.)
Suppengrün
Zwiebeln
Knoblauch

Aus Rindfleisch und Suppengrün eine kräftige, klare Brühe kochen. Das Rindfleisch abkühlen lassen, kleinschneiden und ca. 300g davon mit dem Kloßteig, dem auch noch weichgedünstete Zwiebeln und etwas Knoblauch hinzugefügt werden, verkneten. Flache Knödel in Handteller-Größe formen und in der gerade nicht mehr kochenden Brühe gar ziehen lassen. In einer Terrine zu Tisch bringen.

Klingt simpel? Ist simpel, wenn man den fertigen Kloßteig nimmt. Durch das Rindfleisch bekommen die simplen Kartoffelknödel zusätzlich Geschmack und eine sympathische  Deftigkeit. Ich aß das durchaus gern, am liebsten hab ich zu Hause zugelangt, wenn am nächsten Tag die übriggebliebenen Knödel halbiert und in der Pfanne braun gebraten wurden. Es blieben jedoch selten welche übrig, denn diese Knödel waren das Lieblingsessen meines Vaters und meines lieben Bruders Matthias. Dazu gibt’s eine Geschichte.

Mein Vater war mit einem formidablen Appetit gesegnet. Ein Rührei aus sechzehn Eiern zu verdrücken, war für ihn kein Problem, im Gegenteil, hinterher schmierte er sich noch ein oder zwei Scheiben Toast mit Marmelade. Zu absoluter Topform lief er auf, wenn’s Knödel gab, sein Leibgericht, da steckte er regelmäßig eine außerirdische Portion weg. „Das ist doch alles nicht mehr wahr …“ habe ich meine Mutter einmal murmeln hören, als sie eine Terrine mit frischen Knödeln und Brühe aus der Küche an den Esstisch brachte.

Immerhin, mein lieber Bruder Matthias konnte bei diesem Gericht, das in seiner kulinarischen Hitliste ebenfalls die Nummer eins war, durchaus mit meinem Vater mithalten. Natürlich stellte sich irgendwann die Frage, ob Matthias tatsächlich mehr Knödel verdrücken konnte als unser Vater, und natürlich gab es nur eine Möglichkeit, das herauszufinden. Es wurde ein Wettessen anberaumt.

Die Druckerei meines Vaters war gegenüber, er kam zu jedem Mittagessen nach Hause. Am Wettkampftag traf er, wie immer, um kurz nach eins ein. Die Kontrahenten saßen über Eck nebeneinander, vor ihnen nur die Suppenterrine mit den Knödeln, die regelmäßig aufgefüllt wurde, und die obligatorische Maggi-Flasche. Bis zum zwölften Knödel verlief alles in den üblichen Bahnen, Matthias und mein Vater aßen mit gutem Appetit und unterhielten sich dabei. Ab Knödel Nr. 13 wurde Matthias merkwürdig schweigsam, beim 14. begann er zu schwitzen, ab dem 15. musste er ernsthaft kämpfen und der 16. Knödel war sein letzter, dann gab er auf.

Mein Vater ließ es nicht beim 17. Knödel bewenden. Er sah die einmalige Chance, sich zum „Undisputed Lifetime-Champion in the Knödel-Wett-Eating“ oder so aufzuschwingen6. Er verzehrte locker-beschwingt sagenhafte 22 Knödel, bevor ihn das Ende seiner Mittagspause zwang, den Löffel widerstrebend aus der Hand zu legen und zur Arbeit zu gehen.

Derartige Ereignisse haben immer ein Nachspiel, und dieses machte keine Ausnahme. Das Nachspiel ereignete sich am Abend desselben Tages, am Abendbrotstisch, an dem mein Vater dem Ganzen die Krone aufsetzte. Matthias hatte sich, appetitlos mit Bauchschmerzen ringend, auf sein Zimmer zurückgezogen. Ähnliches hatten wir nach seiner kapitalen Leistung von meinem Vater erwartet, der jedoch zur allgemeinen Überraschung am Esstisch auftauchte, und mit bestem Appetit in aufgeräumter Stimmung seine üblichen drei, vier Scheiben Brot mit allerlei Aufschnitt aß. Dazu trank er zwei, drei Tässchen starken Ceylon-Tee und verzog sich dann ins Wohnzimmer, wo Bier und Mosel-Riesling warteten. Und ein paar Salzletten. Falls man noch Appetit bekam.

Lauch mit Porree

Vom Lauch bzw. Porree habe ich – als treuer Siebeck-Jünger – immer nur das Weiße bis Hellgrüne verwendet. Alles, was grün bis dunkelgrün war, wurde erst ein wenig mit Verachtung gestraft und wanderte dann in die Tonne. Was ein ziemlicher Fehler war, wie ich vor zwei Jahren erfahren hab, als das segensreiche Internetz mich über eine Zubereitung informierte, bei der die grünen Teile des delikaten Gemüses tatsächlich die spielentscheidende Rolle spielten. Seitdem mach ich Poree zwar nicht ausschließlich aber doch immer öfter so. Weil’s so schön intensiv nach Lauch schmeckt.

Als erstes wird, wie immer, ein KüBi7 geknackt und während der ersten Schlucke lassen wir die Zutaten Ravioli passieren, um sicherzugehen, dass auch alles parat liegt. Wir brauchen pro Person (als Beilage):

1 Stange Lauch

Haben wir da, Sahne, Butter, Brühe, Pfeffer, Salz befinden sich im Vorrat. Als erstes trennen wir die den weißen bis hellgrünen Teil jeder Porree-Stande ab und legen ihn erstmal beiseite. Die grünen Blätter befreien wir von angegammelten Stelen, schneiden sie in Streifen, die wir gründlich waschen. Dann lassen wir Butter zergehen, geben die tropfnassen Lauchstreifen dazu und dünsten sie schön weich, das dauert  so 10 bis 15 Minuten. Gegebenenfalls schütten wir ein wenig Brühe dazu, falls die Chose anzubrenen droht. Anschließend kommt der Schraddelstab zum Einsatz, mitdem wir das Ganze zu einer schönen, grünen Pampe zerschraddeln. Wenn wir unser Porreegemüse mit Sahne essen, können wir sie beim Zerschraddeln dazugeben.

Mit den weißen bis hellgrünen Teilen verfahren wir wie üblich. Die werden geputzt, in feine Ringe geschnitten, gewaschen und kommen tropfnass in schäumende Butter, Dann wird gesalzen, gepfeffert und umgerührt, nach zwei, drei Minuten sollte alles weich sein, dann kippen wir die grüne Pampe dazu und sind auch schon fertig. Dieses wirklich intensiv nach Lauch schmeckende Gemüse ist eine prima Beilage zu Fleisch und Fisch, man kann es aber auch z. B. ganz gut zu Nudeln essen. Dann würd ich allerdings ein paar Speckwürfelchen drüberstreuen.

Bei mir gab’s exzellentes Kassler aus den Edeka No, 1 im Forum Steglitz dazu. Und reichlich Riesling. Mahlzeit!

Bällchen von Tala

Tala, eine kleine Gemeinde auf Zypern, ist der Heimatort von Fitos, dem genialen Wirt von unserem genialen Gegenüber-Griechen „Kipos„. Da stehen Tala-Bällchen als Vorspeise auf der Karte, kleine, besonders knusprige Bouletten, die mit Tsatsiki und Skordalia serviert werden, eins meiner Lieblingsgerichte, das bestell ich öfters. Und da Fitos‘ Tochter Christina auf Instagram das Rezept verraten hat, hab ich sie mal zuhause nachgeklöppelt. Voller Erfolg!

Es braucht (für ca. acht Bällchen): 200g Hackfleisch, 2 mittlere Kartoffeln, die gleiche Menge Zucchini, 1 rote Zwiebel, 1 Ei, Mehl, Salz, Pfeffer.

KüBi1 geknackt und sachte angetrunken? Dann kann’s losgehen. Die Zwiebel würfeln und in etwas Olivenöl weich dünsten. Kartoffeln schälen und reiben, Zuccchini reiben, beides ausdrücken und mit dem Hackfleisch, der Zwiebel, dem Ei, Salz, Pfeffer und ca. zwei Esslöffel Mehl verkneten. Flache Fladen8 formen und in Olivenöl ca. zehn Minuten lang knusprig braten. Für Skordalia war ich zu faul, deshalb gab’s bei mir nur Tsatsiki und ein bisschen Zucchini-Gemüse dazu. Und einen schönen, kalten Rosé9. Mahlzeit!

Filet Wellington „für Arme“

Foto: cyclonebill from Copenhagen, Denmark, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Wer sich für gute Küche interessiert, gerät früher oder später an das berühmte „Filet Wellington„, einen Klassiker der feinen Küche, der seit Jahrzehnten auf den Speisekarten der gehobenen Gastronomie zu finden ist. Was einigermaßen erstaunlich ist, denn von der Rezeptur her ist das Wellington kein Musterbeispiel für kulinarische Logik. Hauptbestandteil ist Rinderfilet, ein mangels Marmorierung nicht gerade mit Eigengeschmack gesegnetes Stück Fleisch, dass dann prompt noch mit „allem, was gut und teuer ist“ (Blätterteig, Duxelles, in früheren, unerschrockenen Zeiten auch noch Gänseleberpastete) beballert wird, sodass ein Gericht entsteht, das an die Spielweise klassischer Mittelstürmer im Fußball erinnert: es will eher durch Wucht als durch Finesse überzeugen.

Am Anfang meiner kulinarischen Karriere (Ende der 70er) hatte ich auch einmal ein „Wellington“ auf dem Teller. Ich war neugierig auf dieses Gericht gewesen (Siebeck hatte es, glaube ich, mal beschrieben) und da damals ein Restaurantbesuch mit Wellington-Order und Gedöns drumrum (Vorspeise, Dessert, ordentlich Wein) außerhalb meiner finanziellen Möglichkeiten lag, hab ich es selbst zubereitet. Da ich in Sachen Duxelles, Filet und Blätterteig ein Novize war, schob ich eine Art Generalprobe vor und spielte das Gericht mit preiswerteren Produkten schon einmal durch, also eine Art Filet Wellington für Arme bzw. „pour les pauvres“, wie der frankophile Hobbykoch es nannte. Ich briet ein Schweinefilet scharf an und ließ es abkühlen, machte eine Duxelles, indem ich Champignons durch den Fleischwolf drehte10, in einem Küchenhandtuch ausdrückte und mit Schalotten in reichlich Butter briet und als Gänseleber-Ersatz pimpte ich hundsordinäre Kalbsleberwurst mit Weißwein, Creme Fraiche und frischen Kräutern. Diese beiden Pampen strich ich dann auf das Schweinefilet und wickelte die ganze Chose in Blätterteig, den ich mit Eigelb bestrich. Das Gesamtpaket schob ich bei 200 Grad in den Offen, bis der Blätterteig golden aufgegangen war, das hat so ungefähr 25 bis 30 Minuten gedauert, wenn ich mich recht entsinne.

Die Generalprobe klappte hervorragend, und das „richtige“ Wellington, das ich ein paar Tage später zubereitet habe, war dann küchentechnisch auch kein Problem mehr. Trotzdem war ich mit dem Ergebnis nach zwei, drei Bissen nicht wirklich zufrieden. Das war zu klobig, zu klotzig, um wirklich delikat zu sein. Ähnlich ging es vor ein paar Tagen der geschätzten Frau Kaltmamsell, die bei einem Restaurantbesuch mit einem Wellington als Hauptgang ebenfalls nicht ganz glücklich war. Für mich war das Filet Wellington ein kulinarischer Ort, den man einmal aufsucht, um ihn kennenzulernen und anschließend anderswohin fährt, weil’s einem dort besser gefällt. Nicht, dass es mir nicht geschmeckt hätte, im Gegenteil, es war bei mir wohl auch ein Fall von übergroßer Erwartungshaltung.

Hinzu kam, dass mir idiotischerweise das Generalproben-Gericht, dass „Wellington für Arme“ besser gefallen hatte als das Original. Das Schweinefilet mit der Duxelles und der aufgebohrten Leberwurst hatte eine sympathische, direkte Deftigkeit mit  Spurenelemente von Delikatesse, das hatte Spaß gemacht. Ich hab dann die „arme“ Version für ein paar Jahre ins Repertoire aufgenommen und gelegentlich für Gäste gekocht. Vielleicht mach ich’s dieser Tage mal wieder. Dann schieb ich ein Foto nach.

Mutters Essen: Reisauflauf

Dieser Auflauf war das Lieblingsessen meiner Kindheit und Jugend. Den wünschte ich mir immer als Geburtstagsessen, und auch zwischen den Geburtstagen kam er öfters auf den Tisch. Gleichzeitig ist er typisch für die Küche meiner Mutter: relativ wenige Zutaten, aber immer ein, zwei Gewürze dabei, die für einen interessanten Geschmack sorgen. Und: Raffinesse nebst Sorgfalt bei der Zubereitung. Wer hier aus Bequemlichkeit schummelt und zum Beispiel das Anbraten des Reises (spielentscheidend!) weglässt, raubt dem Gericht seinen Charakter. Aber der Reihe nach, zuerst die Zutaten (für eine Auflaufform, vier bis sechs Personen, drei wenn ich mitesse):

350 g Reis
1 Pfund Gehacktes halb und halb
zwei Zwiebeln
1 Tube Tomatenmark11
Brühe 12
Käse zum Überbacken13
Curry, Paprikapulver, neutrales Öl, Butter für die Auflaufform

Die Zwiebeln schälen und in kleine Würfel schneiden, in der Pfanne in etwas neutralem Öl glasig schwitzen lasse. Dann das Gehacktes dazugeben und unter Rühren krümelig braten, salzen, pfeffern, beiseite stellen.
In einem Topf 2 bis 3 Esslöffel Öl auf mittlere Hitze bringen, den Reis geduldig (5 bis 10 Minuten) darin anbraten, rühren, damit er nicht anbrennt. Wenn der Reis goldbraun ist, mit etwas mehr als einem halben Liter Wasser plus Brühwürfel ablöschen, zwei, drei Teelöffel Curry dazu, nach dem Aufkochen die Hitze runterdrehen und 20 Minuten quellen lassen. Ja, das ist zu wenig Wasser, aber er kommt ja noch mit zusätzlicher Flüssigkeit für eine halbe Stunde in den Ofen.
Wenn der Reis gequollen ist, das Tomatenmark, Paprikapulver nach Belieben, eine weitere Tasse Brühe und das gebratene Gehacktes unterrühren, salzen und pfeffern. Das alles in eine gebutterte Auflaufform geben, dick mit Käse (Mozzarella kommt ganz gut) bestreuen und bei 180 Grad eine halbe Stunde in den Ofen schieben, und dann ist fertig.

Meine Mutter hat immer „wegen der Vitamine“ einen grünen Salat dazu gereicht, das ist okay, wenn man sich nicht an der Unlogik stört, etwas Kaltes zu etwas Warmem zu essen. Auf keinen Fall sollte man je die Menge des Auflaufs reduzieren, auch wenn man nur für zwei Personen kochen möchte. Seine wahre Stärke offenbart der Reisauflauf nämlich erst aufgewärnt, wenn er mit ordentlich Butter in der Pfanne knusprig aufgebraten wird. Wahnsinn.

Leider bin ich, bis ich mit 18 Jahren auszog, daran gescheitert, meine Mutter davon zu überzeugen, den Reisauflauf einen Tag vor meinem Geburtstag auf den Tisch zu bringen, damit ich als eigentliches Geburtstagsessen die aufgebratenen Reste genießen konnte. Auf meine fundierten, wohl abgewogenen Argumente antwortete sie, wie so oft, nur mit hochgezogenen Augenbrauen bzw. einem unverständlichen Gemurmel, das sich in etwa wie „Geburtstagsessen einen Tag früher, das könnte dir so passen.“ anhörte. Tja.

 

Kaspressknödel

Vor ein paar Wochen hab ich im Nassrasurblog ein Kaspressknödel-Rezept gepostet, bei dem der Knödelteig relativ flüssig wird. Letztes Wochenende wollte ich eine größere Menge Knödel herstellen, da bot es sich an, die Knödel nicht einzeln in Pfannen zu braten, sondern die ganze Baggage ins Backrohr zu stopfen Hat prima geklappt, der besten, geduldigsten Gemahlin von allen hat diese Variante deutlich besser geschmeckt, weshalb sie, ohne jegliche Diskussion, hier in Friedenau ab sofort Standard ist,

Zutaten:
6 altbackene Schrippen
0,5 l Vollmilch
350 bis 400 g Bergkäse14
1 mittelgroße Zwiebel
2 Eier
1 Bund Schnittlauch
Butter

Die Zwiebel in kleine Würfel schneiden, die Schrippen in etwas größere, die Größe der Käsewürfel sollte dazwischen liegen. Die Zwiebelwürfelchen in reichlich Butter glasig dünsten, mit der Milch ablöschen, aufkochen lassen und über die Schrippenwürfel kippen, mit einem Kochlöffel verrühren, mindestens 15 Minuten (bis die Milch abgekühlt ist) stehen lassen, sparsam salzen (der Käse!), pfeffern, bisschen Muskat dazureiben, die zwei Eier, die Käsewürfel und den feingeschnittenen Schnittlauch zugeben und mit den Fingern schön durchkneten. Flache Knödel formen, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und im Ofen bei 180 Grad Ober/Unterhitze ca, 20 Minuten lang backen. Man kann die Knödel nach zehn Minuten wenden. Man kann es aber auch lassen, wenn man so faul ist wie ich.

Alternativ kann man die Knödel natürlich auch in der Pfanne in reichlich Butter braten, dann werden sie deutlich knuspriger. Ob die Knusprigkeit de Bequemlichkeit aufwiegt, mag jeder selbst entscheiden.

Wenn man die Knödel – wie ich letztes Mal – in Brühe auf den Tisch bringt, kann man sich die Braterei in der Pfanne sparen. Wenn man sie mit Salat und Saucen, die man auch zu Gegrilltem reichen würde (Kräuter-Joghurt-Sahnesauce mit ordentlich Knoblauch passt sehr gut), ist die Pfanne sicher eine Option. Wein? Unbedingt. Ich hatte einen Chardonnay von Steiner aus Podersdorf, das hat gepasst.

Die Seewinkel-Rituale – Podersdorfer Mahlzeiten 2022

Ach, wie ging’s uns wieder gut, dieses Jahr in Podersdorf. Seit über zwanzig Jahren verbringen wir unseren Urlaub hier, seit ebenso langer Zeit sind wir Stammgäste in den hiesigen Restaurants. Da ist es unausbleiblich, dass Rituale entstehen, Nachdem wir unsere Koffer ausgepackt hatten, kam gleich das erste: Wir gingen – natürlich, in einen Heurigen, um das erste Speckbrot und den ersten Welschriesling zu genießen…

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Podersdorfer Mahlzeiten 2018

Wir haben dieses Jahr in Podersdorf wieder sehr, sehr gut gegessen. Wir eröffneten – wie jedes Jahr – mit einem Speckbrot beim Heurigen, in der Elisabethschenke.

Ein Speckbrot und ein Glas Welschriesling ist eine unschlagbare Kombination. Ich freue mich jetzt schon auf das erste Speckbrot vor Ort in 2019.

Natürlich will man dann noch etwas warmes Essen. Ein Cordon Bleu ist dann meist meine erste Wahl. Das Cordon Bleu im Dawerna war ganz ausgezeichnet. 

Auch in Jupps Bierstüberl machen sie ein ausgezeichnetes Cordon Bleu. Das ess ich aber erst beim zweiten Besuch. Beim ersten bestell ich immer die Brettljause: Schinken, Wurst, Grammeln und was sonst noch vom Mangalitza-Schwein so da ist.

Jupp hat eine eigene Zucht von Mangalitza-Schweinen, mit denen er seine Karte bestückt. Saftig und von intensivem Geschmack: Gegrillte Mangalitza-Leber mit süßsäuerlichen Apfelscheiben.

Was mir das Cordon Bleu ist der besten, geduldigsten Gemahlin von allen, das Beuscherl (Lungenhaschee). Dieses hier war vom Mangalitza-Schwein, serviert im Pannonia.

Ein anderes Podersdorfer „Must“ ist die gebratene Blunzen (Blutwurst). Die beste gibt’s im Heurigen vom Haider, serviert mit herrlich schlotzigem Erdäpfel-Vogerl-Salat.

Eins der besten Caterings der Fußballwelt kann man beim UFC Podersdorf genießen: Zu jedem Match gibt’s einen anderen Wein von einem Podersdorfer Winzer, und das Grundlagen-Highlight ist das Pizzastangerl: gefüllt mit Käse, Schinken und Mais wird es frisch aufgebacken und mit heißer, glitzernder Knoblauchbutter bestrichen. 

Ein anderes, regelmäßig genossenes Urlaubs-Highlight: mit Knoblauch gebratener Zander an zitrischem Risotto im Seehof Gisch.

Ebenfalls Risotto, aber mit Kürbis und Schweinsbackerl gab’s bei einem Ausflug nach Schloss Halbturn im Restaurant Knappenstöckerl.

Ein anderer Ausflug führte uns nach Oggau, ins „Herztröpferl“, das einen der angenehmsten Gastgärten des Burgenlandes hat. Wunderbare Vorspeise: Räucheraal mit zweierlei Pesto.

Regelmäßig kehren wir auch im Gasthof Kummer ein. Saftgulasch können sie da besonders gut. Für etwas weniger traditionalistisch eingestellte Esser…

…empfehlen sich die gebackenen Zanderstreifen auf Blattsalat.

Andere Location, Schafskäse statt Zander, aber auch gebacken auf Salat. Sehr gutes kleines Gericht im Restaurant des Seehotel Herlinde.

Da waren auch die schön intensiv mit Kreuzkümmel und Knoblauch gewürzten Kürbis-Puffer ganz ausgezeichnet.

Newcomer und Überraschung der Saison war der neue Küchenchef im Seewirt Karner. Die perfekt gebratene, federleichte Lachsforellen-Tranche auf Babyspinat war noch grundsolide…

..aber bei den Deftigkeiten ging der Mann in den Overdrive. Spanferkelstelze.

Im ganzen gebratene Forelle.

Die Mutter aller Schweinsbraten (natürlich vom Mangalitza).

Und – mein Highlight, ausgenommen natürlich die Gerichte aus der Dankbarkeit – ein Sous-Vide-gegartes Short Rib vom Rind.

Apropos Dankbarkeit: Die diesjährigen Gerichte vom Lentsch bekommen einen eigenen Post. Stay tuned.